Wenn du das Gefühl hast, dein Chef hört dir nicht wirklich zu …
Vielleicht kennst du diese Situation:
Dein Chef gibt dir eine Aufgabe oder macht eine klare Ansage – aber aus deiner Sicht funktioniert das so in der Praxis einfach nicht.
Du versuchst zu erklären, wo das Problem liegt. Vielleicht hast du sogar schon erlebt, dass genau diese Vorgehensweise nicht funktioniert.
Aber statt dass wirklich darüber gesprochen wird, kommt nur ein:
„Mach es einfach so.“
Das kann ziemlich frustrierend sein.
Vor allem dann, wenn du das Gefühl bekommst, dass deine Erfahrung gar nicht zählt. Schließlich bist du häufig die Person, die die Aufgabe am Ende tatsächlich umsetzen muss.
Und irgendwann überlegt man sich zweimal, ob man überhaupt noch etwas sagt.
Denn wenn du jedes Mal das Gefühl hast, gegen eine Wand zu reden oder für deine Einwände einen auf den Deckel zu bekommen, ist die bequemste Reaktion irgendwann:
„Okay. Dann eben nicht.“
Wenn es dir gerade so geht, kann ich das verstehen.
Eine Sache solltest du trotzdem wissen
Aus meiner Arbeit mit über 100 Geschäftsführern und Unternehmern habe ich eine Sache gelernt:
Die wenigsten Chefs stehen morgens auf und überlegen sich, wie sie ihren Mitarbeitern heute möglichst das Leben schwer machen können.
Auch dein Chef versucht wahrscheinlich, irgendwie durch seinen Alltag zu kommen.
Er hat Kunden, Zahlen, Probleme, Mitarbeiter, Entscheidungen und eine Menge Dinge gleichzeitig im Kopf.
Das bedeutet nicht, dass sein Verhalten deshalb automatisch richtig ist.
Und es bedeutet auch nicht, dass du alles hinnehmen musst.
Aber es kann helfen, zu verstehen:
Manchmal steckt hinter einer schlechten Kommunikation keine böse Absicht, sondern schlicht Überforderung, Zeitdruck oder eine andere Wahrnehmung der Situation.
Das Problem dabei ist nur:
Wenn du irgendwann frustriert aufgibst und sagst:
„Dann soll er halt sehen, wie er klarkommt.“
… dann trifft das langfristig leider nicht nur deinen Chef.
Sondern auch dich.
Denn ein dauerhafter Konflikt mit deinem Chef kostet Energie. Du gehst vielleicht weniger gern zur Arbeit, hältst dich mit Ideen zurück oder entwickelst dich irgendwann nicht mehr so weiter, wie du eigentlich könntest.
Deshalb würde ich dir vier Dinge empfehlen.
1. Schreib auf, was konkret nicht funktioniert
Nicht direkt im größten Ärger.
Sondern möglichst sachlich.
Wenn etwas passiert, bei dem du denkst:
„Genau das ist wieder so eine Situation.“
… dann mach dir eine kurze Notiz.
Was ist passiert?
Was wurde gesagt oder entschieden?
Und vor allem: Versuche zwischen zwei Dingen zu unterscheiden:
Was ist tatsächlich passiert?
und
Wie habe ich die Situation wahrgenommen?
Das klingt nach einer Kleinigkeit, macht aber einen großen Unterschied.
Denn manchmal merkst du beim Aufschreiben schon selbst, dass es an einer Stelle vielleicht auch eine andere Interpretation geben könnte.
Und manchmal stellst du fest: Nein. Das Problem ist tatsächlich ziemlich eindeutig.
Beides ist hilfreich.
2. Überleg dir nicht nur, was schlecht läuft – sondern was besser funktionieren würde
Nur mit einer Liste von Problemen zum Chef zu gehen, führt häufig dazu, dass sich die andere Person angegriffen fühlt.
Deshalb versuch bei jedem Punkt auch zu überlegen:
„Was wäre für mich eine bessere Lösung?“
Vielleicht brauchst du mehr Informationen.
Vielleicht möchtest du früher in eine Entscheidung eingebunden werden.
Vielleicht brauchst du bei bestimmten Aufgaben mehr Entscheidungsfreiheit.
Oder vielleicht reicht es schon, wenn dein Chef dir fünf Minuten zuhört, bevor eine Entscheidung getroffen wird.
Je konkreter du sagen kannst, was du dir stattdessen wünschst, desto leichter wird das Gespräch.
3. Wechsel kurz die Perspektive, bevor du ins Gespräch gehst
Bevor du mit deinen Beispielen zu deinem Chef gehst, ist noch etwas wichtig:
Nicht nur, was du ansprichst, sondern auch, mit welcher Haltung du ins Gespräch gehst.
Wenn du innerlich schon denkst: „Jetzt erkläre ich ihm endlich mal, was er alles falsch macht“, kann es passieren, dass deine eigentliche Botschaft gar nicht richtig ankommt.
Denn wenn sich jemand angegriffen fühlt, beschäftigt er sich schnell mehr damit, sich zu verteidigen, als damit, dir zuzuhören.
Dann sprecht ihr plötzlich darüber, ob dein Vorwurf gerechtfertigt ist – statt darüber, wie ihr das eigentliche Problem lösen könnt.
Deshalb versuch vorher einmal, die Situation aus der Perspektive deines Chefs zu betrachten.
Er sieht wahrscheinlich nicht alle Details, die du siehst. Er kennt nicht jede Schwierigkeit, die bei der Umsetzung auftaucht.
Trotzdem muss er Entscheidungen treffen und dafür geradestehen, wenn ein Auftrag nicht läuft, ein Kunde unzufrieden ist oder am Ende das Geld fehlt.
Vielleicht ist er deshalb kurz angebunden. Vielleicht glaubt er, dass er klare Ansagen machen und Druck ausüben muss, damit die Dinge vorangehen.
Das heißt nicht, dass das richtig ist.
Zeitdruck und Verantwortung rechtfertigen keinen respektlosen Umgang.
Aber sie können dir helfen, sein Verhalten einzuordnen, ohne sofort davon auszugehen, dass er dich absichtlich übergeht oder dir das Leben schwer machen möchte.
Wir alle bringen unsere Erfahrungen mit. Hättest du dieselben Erfahrungen gemacht wie dein Chef, würdest du in manchen Situationen vielleicht ähnlich reagieren. Nicht unbedingt genauso – aber vielleicht wäre dir seine Reaktion zumindest verständlicher.
Es geht dabei nicht darum, ihm recht zu geben.
Es geht darum, einen Moment lang zu verstehen, wie die Situation für ihn aussehen könnte.
Denn dein Ziel ist ja, dass sich für dich etwas verbessert.
Und dafür muss dein Chef hören können, welche Information du mitbringst und was du brauchst – statt nur einen Vorwurf wahrzunehmen, gegen den er sich wehren möchte.
Versuch deshalb, den Ärger nicht das Gespräch führen zu lassen.
Vielleicht hilft es dir sogar, ihm sein bisheriges Verhalten innerlich zu verzeihen. Nicht, weil es in Ordnung war, sondern damit du unbelasteter ansprechen kannst, was sich ändern soll. Das ist keine Voraussetzung für das Gespräch – und bedeutet auch nicht, dass du dir künftig alles gefallen lassen musst.
Du darfst weiterhin klar sagen, was für dich nicht funktioniert.
Geh nur möglichst nicht mit der Haltung hinein:
„Du bist das Problem, und das werde ich dir jetzt beweisen.“
Sondern eher mit:
„Vielleicht ist dir noch gar nicht klar, wo es für mich schwierig wird. Ich möchte dir das zeigen und mit dir eine bessere Lösung finden.“
Du musst nicht davon ausgehen, dass sofort alles gut wird.
Aber geh mit der Offenheit ins Gespräch, dass dein Chef dich vielleicht doch versteht – und ihr gemeinsam etwas verändern könnt.
4. Geh mit konkreten Beispielen ins Gespräch
Wenn du drei bis fünf konkrete Situationen gesammelt hast, such dir einen ruhigen Moment.
Nicht zwischen Tür und Angel.
Nicht direkt nach dem nächsten Streit.
Sondern bewusst.
Du könntest zum Beispiel sagen:
„Ich würde gerne einmal mit dir über ein paar Situationen sprechen, bei denen ich das Gefühl habe, dass es für mich noch nicht ganz rund läuft. Ich habe mir ein paar konkrete Beispiele aufgeschrieben und auch überlegt, wie wir es aus meiner Sicht besser lösen könnten.“
Dann wirst du relativ schnell merken, wie dein Chef damit umgeht.
Ist er bereit, dir zuzuhören?
Fragt er nach?
Versucht er zumindest, deine Perspektive zu verstehen?
Dann gibt es eine gute Grundlage, etwas zu verändern.
Vielleicht wird nicht sofort alles anders.
Aber ihr könnt daran arbeiten.
Wenn dein Chef dagegen überhaupt nicht bereit ist, dir zuzuhören, kannst du es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen.
Und wenn du dauerhaft merkst, dass deine Sicht keine Rolle spielt, Gespräche nichts verändern und du immer wieder an derselben Stelle landest, dann darfst du dir auch eine andere Frage stellen:
Ist das langfristig noch der richtige Arbeitsplatz für mich?
Denn du kannst einen anderen Menschen nicht dazu zwingen, sich zu verändern.
Du kannst nur entscheiden, wie du selbst mit der Situation umgehst.
Und manchmal bedeutet Veränderung eben auch, selbst eine Entscheidung zu treffen.
Ich hoffe, dass dir diese Gedanken zumindest ein Stück weiterhelfen.
Ich wünsche dir, dass du einen guten Weg findest – egal, ob sich dadurch das Verhältnis zu deinem Chef verbessert oder du irgendwann für dich entscheidest, einen anderen Weg zu gehen.